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Schon
kurz nachdem ihr Film „Tanz der Vampire“, in dem Sie
Regie führten und die Rolle des „Alfred“ verkörperten im
Jahre 1966/67 erschien, wurde er schnell zum Kultfilm.
Was dachten Sie, als daraus viele Jahre später ein
Musical werden sollte?
Ich dachte: Warum nicht? Mein
Film-Drehbuch eignet sich sehr gut für ein Musical. Es
ist die Art Film, die sich gut für das Musiktheater
adaptieren lässt.
Und wie nahm dann diese Idee konkrete Formen an?
Andrew Braunsberg, der
Mitproduzent des Films organisierte ein Treffen mit Rudi
Klausnitzer, dem Chef der Vereinigten Bühnen Wien.
Infolgedessen wurde ich Michael Kunze vorgestellt und
wir begannen mit der Arbeit am Drehbuch.
Die Wahl fiel beim Komponisten auf Jim Steinmann. Warum
gerade auf ihn?
Jim Steinmann ist ein toller
Komponist. Er ist sehr produktiv und kennt sich mit
Musicals aus. Er arbeitete eng mit Andrew Lloyd Webber
zusammen und feierte mit dem von ihm produzierten
Meatloaf-Album „Bat Out Of Hell“ große Erfolge. Er mag
das Vampirmaterial, es amüsiert ihn und er hat sein
Talent für Rockmusik bewiesen. Wir wollten einen
Rock-Touch in der Show haben, aber gleichermaßen
benötigte sie auch den Stil einer Oper. Mit Jim haben
wir dafür die richtige Wahl getroffen. Wir können uns
glücklich schätzen, ihn für „Tanz der Vampire“ gewonnen
zu haben.
Die meisten Autoren hängen an jedem ihrer zu Papier
gebrachten Sätze, wie an ihrem Leben. Fiel es Ihnen
nicht schwer, das Libretto für das Musical jemand
anderem zu überlassen?
Überhaupt nicht! Erstens bin ich kein Lyriker! Zweitens
spreche ich kein deutsch! Ich wüsste überhaupt nicht,
wie man Texte für eine Musik schreibt. Und selbst wenn
ich es könnte – ich habe noch meine Filme zu
produzieren. Ich bin hauptsächlich Filmregisseur und
habe kein Interesse am Schreiben von Musicaltexten.
Selbst wenn ich Interesse hätte, könnte ich das nicht so
gut wie Michael Kunze.
Was hat Sie gereizt, die Regie für „Tanz der Vampire“ zu
übernehmen?
Ich liebe Theater und ich liebe
Musik! Ich führe Regie für die Bühne und bin eigentlich
nur daran interessiert, die Regie für Stücke zu
übernehmen, in denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
So führte ich Regie für mehrere Opernaufführungen
Schauspielstücke z.B. „Amadeus“ oder auch „The Master
Class“.
Sie hatten „Tanz der Vampire“ als eine Art Parodie auf
Vampire angelegt…
Ja, aber nicht auf die Welt der
Vampire, weil die ja gar nicht existiert. Es ist eine
Parodie auf das Genre, hauptsächlich auf das Kino. Und
da vor allem auf die britische Produktionsfirma Hammer,
die Massen von Vampirfilmen herstellte, mit Christopher
Lee usw.
Michael Kunze interpretiert den „Tanz der Vampire“ als
eine „Geschichte das Erwachsenwerden in einer Welt der
Vampire“. Zudem hat er die Rolle des „Alfred“, die Sie
im Film ja selbst gespielt hatten zur zentralen Figur
ausgebaut. Das sind grundlegende Eingriffe. Waren Sie
mit jeder Änderung von Anfang an einverstanden?
Natürlich, sonst wären sie nicht im Musical enthalten.
Es ist doch klar, dass, wenn man einen Kinofilm
adaptiert, der eigentlich eine Satire auf die
Horror-Vampirfilme darstellt, man einige wichtige
Änderungen vornehmen muss. Eine davon ist, die
Inszenierung theatralisch zu machen. Sie kann nicht mehr
eine Parodie auf die Filme sein, nicht mehr das gleiche
Märchen, das der Film war. Die Musical-Inszenierung muss
eine andere Art Märchen sein. Auch mussten hier
bestimmte Themen ausgebaut werden. Die Charaktere müssen
mehr Tiefe haben, können nicht mehr die
Trickfilmcharaktere sein, die sie im Film waren.
Außerdem muss mehr Psychologie eingebracht werden. Als
Themen für die Lieder braucht man irgendeine Art
Beziehung zwischen den Figuren. Zusätzlich gilt es, den
ganzen Bogen jeder Figur zu entwickeln.
Was ist das Besondere an dem Thema Vampire, welches Sie
nun schon so lange Zeit beschäftigt?
„Tanz der Vampire“ war erst einmal
ein Film! Das ist wirklich lange her! Ich möchte nicht
sagen, dass ich damals groß und blond war, aber ich war
auf alle Fälle um einiges jünger! Ich erinnere mich so
gerne daran, weil es einfach tolle Dreharbeiten waren.
Ich habe selten einen Film gemacht, bei dem die gesamte
Crew so viel Spaß hatte. Und jetzt wiederholt sich
dasselbe noch mal im Theater. Wenn ich da an die
Probenzeit in Berlin denke, erinnere ich mich an viele
lustige Momente. Das liegt natürlich am Thema. Das Ganze
ist einfach eine Verulkung auf das Vampir-Genre. Ich
denke genau diese Momente sind für mich das Besondere.
„Tanz der Vampire“ wurde sehr schnell ein Muscial-Hit.
Mittlerweile haben über vier Millionen Besucher das
Stück gesehen. Hatten Sie einen so großen Erfolg
erwartet?
Immer wenn man einen Film oder ein
Theaterstück produziert, hofft man auf einen Erfolg.
Aber man kann ich nicht erwarten. Man kann nur hoffen,
dass der Erfolg kommt. Ich hatte zwar gehofft, aber mit
so einem großen Erfolg habe ich nicht gerechnet.
Jetzt sind Sie in Berlin. Warum Berlin?
Dazu kann ich nur sagen, dass wir
von Anfang in Berlin hätten beginnen sollen! Ich war vor
langer, langer Zeit das erste Mal in Berlin, als die
Stadt noch sehr zerstört war und kam erst wieder für die
Dreharbeiten zu „Der Pianist“ hierher zurück. Ich war
überrascht, welche vollkommen neue Stadt ich vor fand.
Die jungen Leute hier bringen viel Kreativität mit und
lassen die Stadt regelrecht vibrieren.
Bei meinem Film „Der Pianist“ hatten wir eine sehr junge
Crew und ich dachte mir sofort: „Warum führen wir hier
nicht einfach „Tanz der Vampire“ auf?“ Berlin ist
perfekt dafür. Und dann natürlich das Theater des
Westens. Ich glaube, dass es wegen seiner schönen
Architektur und der richtigen Größe einfach optimal für
uns ist. Ich bin wirklich glücklich hier zu sein.
Der Casting-Prozess war ja sehr lang und schwierig. Was
macht es so schwierig die richtigen Darsteller zu
finden?
Die Darsteller müssen einfach so
viele Facetten haben. Sie müssen erstklassige Sänger
sein, aber gleichzeitig auch sehr gute Schauspieler. Die
Charaktere sind sehr umfassend und das Erzählen der
Geschichte ist extrem wichtig. Dazu kommt noch der
„natürliche“ Humor, den die Darsteller ausstrahlen
müssen. Sie müssen die Leute zum Lachen bringen. Maria
Callas sagte mal, dass es viele Menschen gibt, die
Singen können und auch viele, die Schreien können. Aber
es gibt nur ganz wenige, die beides gleichzeitig können.
Genau diese Darsteller haben wir gesucht und
letztendlich auch gefunden.
Gestatten Sie mir eine letzte Frage: Mit welchen
Erwartungen übergeben Sie das Musical an das Berliner
Publikum?
Es ist wohl eher das Publikum, das
etwas von mir erwartet. Ich möchte es nicht enttäuschen. |