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Friedenstauben zieren Buttons, Petting ersetzt Pershing,
Hafenstraße und Startbahn West sind autonom und Frauen
machen Power. Die Mode präsentiert sich schillernd:
Neonleggings sind feminin, Netzhemden männlich, die
Lederkrawatte passt zur Jeansjacke, knallige Stulpen
konkurrieren mit überdimensionalen Ohrringen. Alles ist
erlaubt, Konventionen fallen.
Die Geburtsstunde der Neuen Deutschen Welle schlägt. In
den Jahren zuvor nährte sich die deutsche Musikindustrie
von englischen und amerikanischen Hits - deutsche
Produktionen klangen nach Schlager oder wurden von
Liedermachern intoniert. In das altbekannte Fahrwasser
kommt Anfang der 80er Jahre eine mitreißende Strömung:
Die Neue Deutsche Welle schwappt über die Nation.
Popmusik in deutscher Sprache macht erstmals Furore.
Plötzlich ist alles möglich: von drei eingängigen
Akkorden bis hin zu kraftvollen Klangwelten.
In atemberaubendem Tempo wird die NDW zur populärsten
Musik einer ganzen Generation: Aus den Ursprüngen der
Neuen Deutschen Welle entsteht schnell ein
eigenständiger Sound. Immer mehr Bands nehmen in
Eigenregie Platten auf und Kassetten werden die
Tonträger für den Eigenmix. Bereits Ende 1981 ist die
NDW zu einer Jugendbewegung geworden. 1982 stürmen Bands
und Interpreten wie Extrabreit, Trio, Hubert Kah, Frl.
Menke, Markus und Nena mit ihren Hits in die Top Ten.
Ab 1983 wird „Formel Eins“ zum musikalischen Schauplatz
von Trio, Spliff, Ideal, UKW oder der Spider Murphy
Gang. Wer erinnert sich nicht an den rosafarbenen
Straßenkreuzer – Markenzeichen der beliebtesten
Musiksendung der 80er Jahre – in dem Moderator Peter
Illmann 68 Mal die Charts präsentiert? Bis 1990 folgten
über 200 Sendungen und drei weitere Moderatoren.
In Nordrhein-Westfalen ist „Mal Sondocks Hitparade" der
Ursprung aller Kassetten für den Walkman. Vor allem
Hamburg, West-Berlin, Hannover, Düsseldorf und das
Ruhrgebiet sind Keimzellen und Zentren der NDW.
Protagonisten wie Extrabreit, Geier Sturzflug oder Nena
sind hier zu Hause. Plattenlabels produzieren in NRW,
und große Konzerthallen tief im
Westen werden die Bühnen für den Siegeszug neuer
deutscher Musik. 1982 ist die Dortmunder Westfalenhalle
Schauplatz eines fast vierstündigen NDW-Specials, das
Deutschland unter dem Titel „Rockpop in Concert“ an den
Bildschirmen elektrisiert.
„Laut, schrill und irre fetzig“ titeln Bravo und Co. und
drücken damit Lebensgefühl und musikalischen Sound
gleichermaßen aus. Die Neue Deutsche Welle bringt
tanzbaren Spaß und schöpferischen Aufbruch. Ihre
Ausstrahlungskraft endet nicht mit ihrem Abklingen Mitte
der 80er Jahre. Viele Bands hatten sich zwar aufgelöst,
die Mitglieder blieben aber oft weiterhin aktiv,
gründeten neue Bands und versuchten manchmal auch ein
Comeback mit der alten Band. Bestes Beispiel hierfür ist
Nena, die 2003 mit dem Album „20 Jahre Nena - Nena feat.
Nena“ ihre alten Hits neu einspielte und damit ein
bemerkenswertes kommerzielles Comeback feierte. Auch die
Schwestern Inga uns Annette Humpe sind heute mit Ihren
Bands 2raumwohnung und Ich + Ich beim Publikum
erfolgreicher denn je.
Seit einigen Jahren gibt es ein erneutes Aufblühen
deutschsprachiger Popmusik. Auch wenn sich die
Musikpresse und die Plattenfirmen mit neuen Begriffen
noch zurückhalten, so klingt doch in Rezensionen und
Artikeln über kommerziell orientierte Bands wie Juli,
Mia, Wir sind Helden oder Klee immer etwas Gemeinsames
mit: ein Vergleich mit der NDW und den frühen 80ern. Und
so lebt sie bis heute weiter: als Wegbereiter deutscher
Popmusik und in Erinnerungen an die besten Jahre ihres
Lebens. |