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In vielen Gemeinden sammeln Vereine und
Privatpersonen schon lange vor dem eigentlichen
Osterfeuer ihre Gartenreste wie Reisig, Äste und
Gestrüpp. Da wird der Weihnachtsbaum abgeholt,
der ausgedient hat und alles wird schön zu einem
hohen Berg zusammengeschoben, damit dann zum
eigentlichen Osterfeuer auch ein schön großes
Feuer angezündet werden kann.
Da ein solcher Haufen im freien Gelände liegt
und das lange vor Ostern, sehen viele Tiere ihn
als Einladung an, sich hier niederzulassen.
Tiere kennen die Tradition des Osterfeuers nicht
und nisten sich zwischen den toten Zweigen ein.
Vor allem sind es viele heimische Vogelarten,
die im zeitigen Frühjahr mit der Brut und
Jungenaufzucht beginnen und bei denen die
Osterzeit damit mitten in die Brutsaison fällt.
Viele heimische Singvogelarten bevorzugen einen
Nistplatz in Hecken und Gestrüpp und sehen die
für das Osterfeuer aufgeschichteten Reisighaufen
als sicheren Nistplatze an. Besonders Vogelarten
wie die Heckenbraunelle, das Rotkehlchen sowie
Amseln oder der Zaunkönig lassen sich in
Reisighaufen nieder.
Den Tieren geht es gut, bis der Mensch kommt und
seine Tradition verfolgen will. Werden brütende
Vogelweibchen gestört, verhalten sie sich
instinktiv still. Sie wollen nicht das ihr
Gelege oder die bereits beschlüpften Jungen
gefunden werden und presst sich daher flach in
ihr Nest. Sie fliegen nicht davon und wird das
Osterfeuer dann angezündet, verbleibt das
verängstigte Weibchen stumm und unbeweglich auf
seinem Nest. Es wird entweder von den Flammen
erfasst und verbrennt oder es erstickt qualvoll
am beißenden Rauch.
Lange ereilt aber nicht nur die brütenden
Vogelweibchen dieses Schicksal. Es gibt viele
weitere Tiere, die sich in einem solchen
Reisighaufen heimisch ansiedeln, wie
beispielsweise Amphibien, Spitzmäuse, Hasen und
Igel.
Niemand möchte, dass diese Tiere, die teilweise
auch vom Aussterben bedroht sind, einen so
grausamen Tod sterben müssen. Damit dies
vermieden werden kann, gibt es einige
Grundlagen, die im Bezug auf das Osterfeuer zu
berücksichtigen sind. So sollte man möglichst
die Aufschüttung des Reisighaufens erst kurz vor
dem Anzünden vornehmen. So haben die vielen
verschiedenen Tiere überhaupt keine Möglichkeit,
sich hier einzurichten. Sollte dies aus
organisatorischen Gründen nicht möglich sein,
sollte man jedoch wie selbstverständlich kurz
vor dem Anzünden den Reisighaufen umwälzen. So
kann man einige Tiere aufscheuchen und damit
vertreiben. Findet man jedoch beim Umwälzen ein
Netz von Vögeln, sollte nicht nur das Umwälzen
beendet werden, sondern auch das Osterfeuer
abgesagt werden. Es steht hier die Überlegung
an, ob es so wichtig ist, für einige Stunden ein
Osterfeuer zu haben, oder ob man lieber den
vielen Tieren, darunter auch seltene, ein gutes
zu Hause geben möchte.
Grundsätzlich sind Reisighaufen, vor dem
Hintergrund der Habitatzerstörung, zum Abbrennen
viel zu schade. Sie geben nämlich nicht nur
Vögeln einen hervorragenden Ersatz für die kaum
noch vorhandenen Hecken. |